Haushaltsroboter als Haushaltshelfer – Ist es schon soweit?

Am Anfang eines Projektes kann es nicht schaden, Grundsatzfragen zu klären. Deshalb stelle ich zu Beginn meines Blogs die Frage: Wer sind eigentlich unsere Haushaltshelfer? Ist es die Familie als funktionierende Einheit? Ich meine, falls sie funktioniert? Oder haben wir Personal angeheuert, Hausmeister, Putzfrauen, Wäscherinnen? Oder läuft alles ohne Helfer? Sind wir auf niemanden angewiesen? – Dann wohl eher das erstere! Unsere Haushaltshelfer sind wir. Und zwar gegenseitig. Sogar im Einzelhaushalt: Habt Ihr nicht neulich bei einem Single-Freund oder einer Single-Freundin Blumen gegossen oder den Hamster gefüttert? Und noch ein klassischer Fall: Es gibt bestimmt irgendwo eine Oma, der Ihr schon Mal beim Tragen der Einkaufstüten geholfen habt, richtig?

Haushaltshelfer von gestern …

Wir sind also unsere besten Haushaltshelfer. Was wir nicht machen, bleibt liegen oder muss von jemand anderem erledigt werden. Ganz einfach. Zumindest in der Theorie. Die Praxis zeigt, dass wir bequem sind und Bequemlichkeit macht erfinderisch. Deshalb stehen wir schon lange mit technischen Haushaltshelfern in Konkurrenz, lassen uns Arbeiten abnehmen und sogar von ihnen ersetzen. Menschliche Helfer im Haushalt sind unter diesen Vorzeichen vom Aussterben bedroht: Schon heute vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über einen neuen automatischen Staubsauger oder Rasenmäher berichtet wird. Selbst herrenlose Poolreiniger, Bodenwischer und Fensterputzer gibt es schon und sie scheinen zu funktionieren.

… Haushaltshelfer von morgen

Wenn wir in Zukunft jemanden fragen, ob er uns kurz im Haushalt zur Hand gehen kann, meinetwegen beim Glühbirnen wechseln oder Heizung entlüften, werden wir Antworten hören wie: „Keine Zeit. Lass das doch Deinen Roboter machen!“ Oder: „Wenn Du einsam bist, dann such‘ Dir lieber jemandem zum Chatten.“ Natürlich kann man das Ganze auch von seiner rosigen Seite sehen: Wenn wir weniger im Haushalt arbeiten und helfen müssen, passieren weniger Unfälle. Allein 2010 waren es über 2 Millionen – etwa siebentausend endeten tödlich.

Das können Haushaltsroboter schon heute

Für alle, die sich nun die Frage stellen, was unsere automatischen Haushaltshelfer von morgen können werden, möchte ich drei existierende Vertreter ihrer Gattung vorstellen: den Armar III, den Care-O-bot® und Luna.

  • Armar III ist eine Entwicklung des Karlsruher Instituts für Technologie. Er wurde auf der Cebit 2012 als Serviceroboter für Haushaltstätigkeiten vorgestellt. Zum Beispiel ist er in der Lage, Geschirr aus Küchenschränken zu entnehmen oder Essen aus dem Kühlschrank zu holen. Damit er dabei nichts verkehrt macht, ist er von den Technikern mit reichlich Sensoren ausgestattet worden: Er kann fühlen, sehen und hören. Zum Arbeiten besitzt er zwei Hände mit fünf Fingern. Statt auf Beinen bewegt sich Armar III auf Rädern. Seine Power bezieht er aus zwei 80 Kilogramm schweren Batterien. Diese sind bei weitem noch nicht leistungsfähig genug, um Armar III menschliches Durchhaltevermögen zu verleihen: Er kann nicht länger als 3 Stunden aktiv bleiben. Danach ist für ihn Feierabend.
  • Care-O-bot® vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung ist ein Serviceroboter, der auf das Holen und Bringen von Gegenständen und einige einfache Hilfstätigkeiten spezialisiert ist, die gerade ältere oder pflegebedürftige Menschen nicht mehr allein ausführen können. Mit seinen Drei-Finger-Händen öffnet er zum Beispiel Türen oder Schubladen. Oder deckt den Tisch. Care-O-bot® ist zudem lernfähig. So kann das Pflegepersonal ihm Bewegungsabläufe zeigen, die er mit seinen flexiblen Armen und Händen fortan selbst ausführt. Ist man nicht mit seinen Leistungen zufrieden, versteht der Roboter dies anhand einfacher Gesten und kann darauf reagieren, indem er die Tätigkeit noch einmal mit neuen Anweisungen wiederholt.
  • Luna von der US-amerikanischen Firma RoboDynamics ist ein Haushaltsroboter, der Besucher empfängt, den Hund ausführt und weitere einfache Tätigkeiten übernehmen kann. Über einen App-Store soll sich der Besitzer in Zukunft immer wieder neue Programme kaufen können, die die Fähigkeiten des Roboters erweitern. Luna verfügt leider nicht über Hände und Finger, sondern nur über zwei Arme, eine Kamera zum Sehen und Mikrofone zur Spracherkennung. Nach bisherigem Stand ist sie vor allem dazu in der Lage, Ihrem Besitzer Gesellschaft zu leisten. Die Nachfolgemodelle sollen jedoch richtige Haushaltshelfer werden. Man darf gespannt sein …

Mein Fazit

Die Entwicklung großer Haushaltsroboter ist weit vorangeschritten und vielversprechend: Gerade für die überdurchschnittlich alternde Bevölkerung in den westlichen Industriestaaten werden Helfer im Haushalt immer wichtiger und können überlastete Pflegekräfte unterstützen. Die Frage ist, ob wir uns mit dem Gedanken anfreunden wollen, weniger mit Menschen und öfter mit Maschinen zu interagieren. Die Alternative wäre mehr freiwillige Hilfe und der bewusste Verzicht auf Gegenleistungen zugunsten menschlicher Nähe. Vielleicht werden wir es eines Tages wirklich vermissen, jemandem beim Abwaschen oder Tisch decken helfen zu können. Man kann nur hoffen, dass wir zu diesem Zweck keine Beschäftigungsroboter erfinden, die sich Aufgaben ausdenken, die wir für sie erledigen sollen!

4.30 / 5 ( 5 Bewertungen )

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